Das Amenophis III 'Exlibris',
(copyright British Museum)




Exlibris von Georg Reinhart
für August Ammann,
Schweiz, Holzschnitt, um 1920





Exlibris zum Gebrauch in Büchern:
für Benoît Junod von John Lawrence, GB,
Holzstich, 1978




 

Exlibris zum Gebrauch für Architektur-Bücher

in der Bibliothek von Benoît Junod
von Mario Botta, Schweiz, Buchdruck, 1990





Exlibris zum Gebrauch in Büchern:
für Benoît Junods Schweizer Bücher,
von Zdenek Mezl, Tschechische Republik,
Holzstich, 1990





Exlibris speziell zum Sammeln geschaffen von Nikolai Yanakiev,
Bulgarien 1958-2003,
für Wilhelm Wiszkocsil,
Mischtechnik auf Metall, 1990





Exlibris speziell zum Sammeln geschaffen von Vladimir Zuev, Russland, für Dr. Drago Novak,
Mischtechnik auf Metall, 1998





Exlibris von Olivera Stoyadinovic
für Katarina Mansievic, Serbien, Mischtechnik auf Metall, 2000











 
Was sind Exlibris? Von Benoît Junod* zurück

Ein Exlibris oder Buchzeichen ist ein kleines grafisches oder gedrucktes Schild, welches in den Innendeckel eines Buches geklebt wird, um dem Eigner zu bezeichnen. Der lateinische Ausdruck 'Ex libris...', bedeutet: aus den Büchern von...; ihm folgt gewöhnlich der Name des Bucheigners, der ein Individuum oder eine Institution sein kann. Im allgemeinen werden Exlibris bei Künstlern von Personen in Auftrag gegeben, die den Besitz an den Bänden ihrer Bibliothek in einer dekorativeren und eleganteren Weise bekunden wollen als nur durch das Hineinschreiben ihres Namens. Gedruckte Exlibris wurden so seid über 500 Jahren benutzt, obwohl frühere handgemalte bekannt sind und sogar kleine Keramikplatten, die, an Papyrusrollen angebracht, aussagten, dass sie zur Bibliothek des Pharaos Amenophis III gehörten.

Die heutigen Exlibris werden oft von Künstlern eher zum Tausch unter Sammlern gefertigt als zur Bezeichnung von Bucheigentum. Sie ähneln tendenziell eher limitierten Ausgaben freier Grafik als Buchzeichen. Aber auch wirkliche Ex Libris zum Gebrauch in Büchern werden in Auftrag gegeben, gesammelt und weltweit studiert.

 


Wie werden Exlibris gefertigt?

Alle grafischen Techniken, die die vielfache Produktion eines Bildes in hoher Qualität zulassen, können verwendet werden und sind im Lauf der Jahrhunderte von Künstlern verwendet worden. Die ersten gedruckten Exlibris entstanden um 1470, als die erste Verwendung beweglicher Lettern durch Gutenberg die Entstehung gedruckter Bücher in Gang setzte.

Traditionelle Techniken umfassen Hochdruck (Holzschnitt, Linolschnitt, etc.), Tiefdruck (Stich, Radierung, Aquatinta, etc.) und Flachdruckverfahren wie Siebdruck oder Lithographie. Oft wurden auch industrielle Verfahren wie Buchdruck, Fotogravüre, Offset-litho, etc. verwendet, um Exlibris zu fertigen, besonders wenn eine große Zahl von Abzügen erforderlich war. Die heutigen Künstler und Designer verwenden zur Fertigung von Exlibris immer häufiger die Computer Technologie. Eine Liste von Symbolen für die verschiedenen beim Exlibris angewandten Techniken findet man, indem man „Technische Symbole“ am Ende dieser Seite anklickt.

Wenn Exlibris in einer originalgrafischen Technik erstellt wurden, wird eine Edition von 50-100 gedruckt und vom Künstler signiert und nummeriert. Exlibris sind selten größer als 13 x 13 cm, da sie in Bücher passen sollen. Gewöhnlich werden sie auf ziemlich leichtes Papier gedruckt (nicht mehr als 200 gr. Pro m2), da dickeres Papier den Buchdeckel am flachen Aufliegen hindern würde.

 


Was für Themen und Bilder gibt es beim Exlibris?

Ein Buchzeichen oder Exlibris kann variieren vom einfachen Namensschild bis hin zu einem kunstvollen Kunstwerk (Druck), bei dem der Name sorgfältig in das Bild integriert ist. Wenn ein Buchzeichen für eine spezielle Sammlung von Büchern gemacht wird, wird das gewöhnlich angemerkt, entweder in einer modernen Sprache (z.B. “Aus den astrologischen Büchern von …”), oder lateinisch („Ex eroticis Karl Schmidt“ für erotische Bücher; auch die Adresse des Eigners könnte – muss aber nicht – erwähnt sein oder das Jahr, in dem es entstand und in die Bücher geklebt wurde. Gewöhnlich ist die Qualität der Inschrift eines Exlibris ästhetisch genau so bedeutsam wie die Qualität der künstlerischen Bildfindung.

Die Themen oder Motive für ein Exlibris heute sind unendlich vielfältig. Bis zum 18. Jahrhundert waren Buchzeichen meist heraldisch, da man damals meist ein Wappen erkennen konnte, selbst wenn man nicht lesen konnte. Später traten Bildmotive an ihre Stelle, die den Kunstgeschmack ihrer Zeit spiegelten. Das Thema, das der Künstler im Buchzeichen behandelt, bezieht sich oft auf die Interessen des Auftraggebers: ein Amateurastronom könnte sich ein Exlibris mit einem Teleskop und Sternen wünschen. Gelegentlich wird es durch die Person, für die es gemacht wird, spezifiziert, oder es ist auf den Typ Buch bezogen, in das es hineingeklebt wird. Manchmal schlägt der Auftraggeber ein Thema vor und überlässt es einfach dem Künstler, ein bemerkenswertes schönes Bild mit seinem darin integrierten Namen zu schaffen.

 


Sind bis heute viele Exlibris entstanden?

Man schätzt, dass zwischen 1470 und heute über eine Million Exlibris gefertigt wurden. Ursprünglich ein europäischer Brauch, ist es inzwischen weit verbreitet in Asien (Japan, China im besonderen) und etwas auch nach Lateinamerika. Osteuropa hat eine besonders reiche Tradition an grafischer Kunst, und einige der besten Exlibris werden heute von russischen, tschechischen, slowakischen und südosteuropäischen Künstlern geschaffen.

Im Lauf der Jahrhunderte haben viele der größten Künstler Exlibris geschaffen (Dürer, Cranach, Hogarth, Boucher, Beardsley, Klee, Giacometti, Picasso, Dali, um nur einige wenige zu nennen) und viele faszinierende und unterschiedliche Persönlichkeiten aus allen Lebensbereichen haben sie verwendet (William Penn, Lavoisier, Dickens, Bismarck, Conan Doyle, Gloria Swanson, Mussolini, Charlie Chaplin, Queen Elizabeth II, etc., etc., etc.)

Eine Anzahl Museen und öffentlicher Bibliotheken beherbergen Sammlungen, von denen einige für Publikumsverkehr offen sind. Das Frederikshavn Kunst Museum in Dänemark soll die größte öffentliche Exlibrissammlung haben.

 


Warum sammeln Menschen Exlibris?

Außer einigen wenigen isolierten früheren Fällen begann man im späten 19. Jahrhundert mit dem Sammeln von Exlibris als einem Gebiet der Gebrauchsgrafik, das von historischem, künstlerischem, soziologischem und bibliophilem Interesse war. Heute gibt es in der Welt gegen 10.000 Sammler, die oft ausgefallene Exlibris eher zum Tauschen als sie in Bücher zu kleben bei Künstlern in Auftrag geben.

Das Tauschen von Exlibris ist Anlass für eine breite internationale Kommunikation unter Sammlern, die sich auch auf Kongressen mit anderen Sammlern, Künstlern und Exlibrisforschern treffen. Es gibt nahezu 40 Gesellschaften von Exlibrissammlern in der Welt wie z.B. die Bookplate Society in England, die Deutsche Exlibris Gesellschaft in Deutschland, oder die American Society of Bookplate Collectors and Designers in den USA. Sie veröffentlichen Zeitschriften und Bücher zum Thema Exlibris und organisieren Künstlerwettbewerbe.

Unechte Buchzeichen, die für nichtexistierende Personen gefertigt oder Berühmtheiten gewidmet, aber von ihnen nie empfangen oder verwendet wurden, werden “Pseudoexlibris” genannt und sind von Wettbewerben ausgeschlossen.

 


Warum Exlibris machen oder machen lassen?

Die Exlibristradition besteht seit über hundert Jahren. Sie stellen eine Herausforderung an einen Künstler dar, ein kleingrafisches Kunstwerk für einen Freund, einen Auftraggeber oder sich selbst mit dem besonderen Zweck zu gestalten: den Eigentümer eines Buchs zu identifizieren. Ein schönes Exlibris in ein Buch zu kleben, schreckt nicht nur den Dieb ab oder erinnert den Borgenden an die Rückgabe, sondern es ist auch eine Möglichkeit, dem Buch Tribut zu zollen, welches trotz der modernen Kommunikationstechniken primär ein Vehikel der Wissensübermittlung bleibt und ein ständiger Quell der Freude und des Interesses.
Als Sammelgegenstand bietet das Exlibris eine wunderbare Gelegenheit, mit der Zeit und mit Geduld, ohne Millionär zu sein, ein kleinformatiges Kunstmuseum zu erwerben, das das Können der Künstler und des Sammlers Geschmack spiegelt.

 


Ich möchte Exlibris sammeln. Wie fange ich es an?

Falls es in Ihrem Land eine Exlibrisgesellschaft gibt (Überprüfen Sie die "FISAE Mitglieder" Seite), stellen Sie einen Kontakt her und starten Sie von da aus. Sie könnten auch einen kurzen Text zu lesen wünschen, der Anfängern Ratschläge erteilt Sie finden ihn unter:
www.artifexlibris.com
 


Wo kann ich mehr erfahren?

Um eine umfassendere Geschichte des Exlibris zu lessen, besuchen Sie:
www.karaart.com, und für zeitgenössische Blätter über das auf dieser Seite gezeigte hinaus besuchen Sie diejenigen Gesellschaften, Künstler und Sammler, deren Links hier zu finden sind oder andere exlibrisorientierte wie jvarnoso.com und http://www.exlibris-gesellschaft.de/


TECHNISCHE SYMBOLE, die bei Exlibris verwendet werden, können unter diesem Link gefunden werden.

Sie könnten unsere
LISTE VON KÜNSTERN, die sich an Exlibriswettbewerben beteiligt haben, konsultieren wollen.

Sie finden eine Vielzahl von
ILLUSTRATIONEN von Exlibris, die die vielfältigen Stile und Techniken zeitgenössischer Exlibris spiegeln.

Sie finden hier auch ein
ARCHIV von Artikeln über Exlibris, die von zahlreichen Freunden beigetragen wurden und (gewöhnlich) in einer Exlibriszeitschrift veröffentlicht worden sind.

* Die Ansichten, die in diesem und anderen Texten dieser Site zum Ausdruck kommen, repräsentieren die Ansichten der Autoren und nicht notwendig die der Internationalen Föderation von Exlibris Gesellschaften.

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